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Märchenmund | Elfengeflüster
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Elfengeflüster

Elfengeflüster

Am Freitag, 12.10. um 20 Uhr ist es so weit! Mein Abend mit Feengeschichten aus der keltischen Welt findet im Consol Theater Gelsenkirchen statt! Karten unter: 0209/9882282. Ich freue mich sehr darauf, da die Feengeschichten mit besonders am Herzen liegen.

Zur Einstimmung kommt hier ein kleines irisches Märchen, das nicht Teil des Abends ist. Doch das Thema Zusammenleben von Mensch und Fee ist eines, was in allen Märchen vorkommt.

Lantrys neues Haus

Lantry M’Cluskey hatte eine Frau genommen, und natürlich musste er nun auch ein Haus haben, um irgendwo zu leben. Nun hatte sich Lantry ein Stück Bauernland gekauft, an die sechs Morgen, aber es stand kein Haus darauf. Da entschloss er sich, eines zu bauen. Und weil es so komfortabel wie möglich sein sollte, suchte er als Bauplatz eine jener schönen Erhebungen aus, von denen man sagt sie seien Tanzplätze der Feen.

Man warnte Lantry. Aber er war ein eigensinniger Mann und kannte keine Furcht. Er sagte, einen so hübschen Platz zum Hausbau werde er so bald nicht wieder finden, und wenn er alle Feen in ganz Europa gegen sich aufbringe, hier und nirgendwo anders wollte er seine vier Wände errichten. Er machte sich ans Bauen und brachte es auch gut zu Ende. Und wie es üblich ist von alters her, lud er seine Freunde und Nachbarn darauf unter das neue Dach ein. Lantry hatte im Lauf des Tages seine Frau in das neue Haus geholt. Er hatte eine Fiedler bestellt und eine Menge Whiskey gekauft, und am Abend sollte getanzt werden.

So geschah es. Der Spaß und die Ausgelassenheit hatten alle Gäste erfasst, als man nachdem die Dunkelheit eingebrochen war, ein merkwürdiges Geräusch vernahm.

Es hörte sich an, als zerbrächen langsam, aber sicher die Dachbalken.  Ein Krachen und Knarren, ein Zerren und Splittern war das, als seien Tausende kleiner Männer dabei, das Dach zum Einsturz zu bringen.

Die Gäste und Lantry hörten eine Stimme: „Nur zu! Legt euch ins Zeug! Ehe es Mitternacht ist, muss Lantrys Haus eingerissen sein!“

Das war eine unangenehme Nachricht für den guten Lantry. Er machte sich nun klar, dass er seine Feinde unterschätzt hatte. Und wenn man das weiß, dann hilft nichts, als zu kapitulieren. Also trat er vor die Feen hin: „Meine Herren, ich bitte euch sehr untertänigst um Entschuldigung, dass ich auf einen Grundstück, das euch gehört, ein Haus habe errichten lassen. Wenn ihr so freundlich sein wolltet, mich heute Nacht nicht weiter zu behelligen, so verspreche ich, es morgen abzureißen und es anderswo wieder aufbauen zu lassen.“

Auf diese Rede folgte ein Geräusch gleich dem Klatschen tausend kleiner Hände, und der Ruf wurde laut: „Bravo, Lantry! Bau auf halbem Weg zwischen den beiden Weißdornhecken und dem kleinen Hügel.“

Nach einem weiteren Freudenruf und dem Geräusch sich entferndender Schritte wurde es mucksmäuschenstill.

Die Geschichte aber ist noch nicht zu Ende, denn als Lantry die Grube für das Fundament des neuen Hauses aushob, fand er eine Kiste voller Gold und also wurde er dadurch, dass er den Tanzplatz der Feen räumte, reicher, als er es je auf andere Art und Weise geworden wäre.

Märchen aus Irland