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Märchenmund | Märchen und Gedichte rund um das Vergissmeinnicht
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Märchen und Gedichte rund um das Vergissmeinnicht

Märchen und Gedichte rund um das Vergissmeinnicht

Bei diesem wunderbaren Wetter blüht es überall. Auch die Vergissmeinnicht zeigen ihre hübschen Blüten. Ich freue mich, dass die Vergissmeinnicht, die ich letztes Jahr ins Beet gepflanzt habe, wieder blühen.

Das hat mich dazu inspiriert, mal zu recherchieren, welche Märchen und Gedichte es rund um dieses Blümchen gibt. Von den gefundenen Märchen habe ich eines ausgewählt, das es in verschiedenen Varianten gibt. Die gleich folgende hat mir am Besten gefallen. Leider konnte ich nicht feststellen, woher das Märchen kommt, ob es ein Volksmärchen oder ein Kunstmärchen ist.

 

 

Das Vergissmeinnicht

Als der liebe Gott die Blumen geschaffen hatte, standen sie alle fröhlich da. Sie beschauten vergnügt ihre Füßchen, auf denen sie fest und aufrecht stehen konnten. Dann betrachteten sie ihre grünen Blättchen, die so fein und zierlich gestaltet waren, und sie bewegten dieselben im Morgenwinde wie Flügel. Die meiste Freude aber machte ihnen die zierliche Krone, die der Schöpfer jeder Blume aufgesetzt hatte. Der einen malte er das Krönlein weiß, der anderen schön blau, einer dritten rot oder gelb. Zuletzt gab er jeder Blume noch einen Namen und wies ihr einen Ort an, wo sie fortan wachsen und blühen sollte.

Nun gingen die Blumen auseinander und freuten sich sehr über ihr schönes, farbiges Kleid und über den Namen, den sie erhalten hatten. Die eine ging in den Garten oder auf die Wiese, andere stellten sich auf das Feld. Viele wanderten in den Wald und stiegen sogar auf den hohen Berg hinauf. So hatten alle Blumen zuletzt ein hübsches Plätzchen gefunden und blühten jetzt fröhlich im warmen Sonnenschein. Nur ein Blümchen, klein und zart, mit einer himmelblauen Blüte, stand betrübt am Bache und weinte, denn es hatte seinen Namen vergessen.

Als der Herr am Abend durch Feld und Wiesen ging, um zu sehen, wie es den Blumen ginge, da kam er auch an den Bach und sah das weinende Blümchen. Und er sprach zu ihm: „Warum weinst du?“ Das Blümchen erzählte nun, es sei so froh gewesen über sein schönes Kleidchen. Dann habe es mit den Wellen des Baches gespielt und dabei seinen Namen vergessen. –

Der Herr sprach: „Mein Blümchen, warum bist du nicht zu mir gekommen? Ich weiß die Namen aller Blumen. Damit du aber weder mich noch deinen Namen wieder vergisst, sollst du von nun an „Vergissmeinnicht“ heißen.

 

Und hier noch zwei Gedichte:

 

Vergiß mein nicht, wenn lockre kühle Erde
Dies Herz einst deckt, das zärtlich für dich schlug.
Denk, daß es dort vollkommner lieben werde,
Als da voll Schwachheit ichs vielleicht voll Fehler trug.

Dann soll mein freier Geist oft segnend dich umschweben
Und deinem Geiste Trost und süße Ahndung geben.
Denk, daß ichs sei, wenns sanft in deiner Seele spricht;
Vergiß mein nicht! Vergiß mein nicht!

aus: Novalis. Werke in einem Band
Herausgegeben von Hans-Joachim Mähl
und Richard Samuel
Deutscher Taschenbuch Verlag  München 1995 (S. 107)

 

Vergissmeinnicht

Es blüht ein schönes Blümchen
Auf unsrer grünen Au.
Sein Aug‘ ist wie der Himmel
So heiter und so blau.

Es weiß nicht viel zu reden
Und alles, was es spricht,
Ist immer nur dasselbe,
Ist nur: Vergissmeinnicht.

Wenn ich zwei Äuglein sehe
So heiter und so blau,
So denk‘ ich an mein Blümchen
Auf unsrer grünen Au.

Da kann ich auch nicht reden
Und nur mein Herze spricht,
So bange nur, so leise,
Und nur: Vergissmeinnicht.

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)